ABI OFARIM – ALIVE AGAIN!

Hätte seine Managerin ihn nicht "einfach doof" genannt und gäbe es die christliche Seefahrt
nicht, die Musikgeschichte wäre vielleicht um ein ganz und gar erstaunliches Comeback ärmer.
Aber den ganz geraden Weg ist Abi Ofarim weder in seiner Karriere, noch in seinem Leben je
gegangen. "Als damals mein Sohn Gil geboren wurde", Abi Ofarim befindet sich gedanklich im Jahr
1982, "stand gerade mein Solo-Album 'Much Too Much' auf Platz 1 der Bestenliste (Das Album
wurde von Fachjournalisten zur "Platte des Jahres" gewählt!). Alles lief wie wahnsinnig, aber dann
kam der Junge, und da habe ich gesagt: Nie wieder Bühne, jetzt bin ich Papa." Folglich blieb
jener Mann, der gemeinsam mit seiner ehemaligen Gattin Esther in den Sechzigern 59 Goldene
Schallplatten entgegen nehmen durfte, für viele Jahre der Musik nur noch als Produzent,
Manager (für seine Söhne) und Songwriter verbunden.
Und heute zitiert er gern den Titel eines James Bond-Filmes: "Sag' niemals nie", lacht Abi Ofarim,
"es hat mich ja doch immer wieder mal gekitzelt." Als dann besagte Managerin frech meinte, er
sei "einfach doof, nichts mehr zu machen als Live-Performer, hatte sie mich soweit. Ich gab ein
Konzert auf der MS Europa für ein paar Hundert "erwachsene" Milliardäre und hatte da einen
Riesenerfolg." Nach einigen Wohltätigkeitskonzerten (u.a. bei 'Menschen für Menschen') kam es zum – schon jetzt –
legendären Auftritt im Münchner 'Schlachthof'. Hier wurde sein "50jähriges Bühnenjubiläum" frenetisch gefeiert!

Abi Ofarim war sich nun endgültig sicher, nicht nur einer aussterbenden Klientel zu
gefallen, "ich habe da nach zwei Stunden Konzert noch 30 Minuten Zugaben gegeben,
bis ich schlicht keine Stimme mehr hatte. Die Leute – jung & alt, überrascht & erstaunt –
sind wie wild herum gesprungen und haben gejubelt, es war unglaublich." Jetzt habe er
Blut geleckt und wolle noch dieses Jahr auf Tour gehen, "ich bin wieder Künstler und
mache von hier an weiter, bis es wirklich nicht mehr geht... bis zum bittersüßen Ende!"
Das Schönste aber kommt erst noch: Niemand muss sich mit Abi Ofarim auf die Zeitreise in
alte Hit-Landschaften begeben, denn der gebürtige Israeli und langjährige Wahlmünchner
("Israel ist meine Heimat – Bayern ist mein Zuhause") hat – wieder einmal – keine halben
Sachen gemacht. Mit 'Too Much Of Something' hat Abi Ofarim 12 neue Songs produziert,
"und die werden, glaube ich, für viele eine echte Überraschung sein." Zu den 12 Songs
gesellt sich übrigens noch eine großartige Neuauflage des Bee Gees-Songs 'Morning Of My
Life', den er schon in Oliver Geissens 'Chart Show' präsentiert hat.

Der Mann verspricht nichts, was er nicht auch halten kann.
Gleich der Titeltrack und Opener klingt, in saubere, aber erfreulich unlackierte Sounds
gebettet, nach rockiger Westcoast-Herrlichkeit; mit kaminfeuerwarmem Timbre
erfreut Abi Ofarims Stimme. Und das ist kein Zufallstreffer, denn zwei Songs weiter
erinnert der Song 'A New Child' an die Soundscapes eines Tom Petty, 'Sugar Lady'
malt Country-Farben an die Wand, in 'Just A Little' kombiniert Ofarim Rock mit Pop-
Refrains und Fragmenten aus dem Latinmusik-Bereich.
Das Gefühl allerdings, nach 27 Jahren Plattenpause wieder da zu sein, kann Abi Ofarim
noch immer nicht beschreiben. "Das war, als ob ich wie der kleine Prinz auf einer
Wolke schwebe. Ich konnte mich nach diesen Konzerten stundenlang nicht
beruhigen, es dauerte ewig, bis ich wieder Boden unter den Füßen hatte. Ein sehr
intensives Gefühl." Man darf ihm das ruhig glauben, denn Offenheit ist nicht erst jetzt das Rezept, mit dem Abi Ofarim der
Öffentlichkeit begegnet. Ob nun Erfolg oder Fehltritt, nie hat er sich um ein Statement gedrückt. "Früher hat man mir das
oft als Snobismus ausgelegt, obwohl ich mich immer auch gern selbst verarscht habe. Ich war immer durchsichtig und direkt,
weshalb sollte ich einen Fehler, den ich nun einmal gemacht habe, verbergen? Ohne Fehler kann ich nichts lernen. Und ich
weiß heute: Ein Mensch ändert sich nicht, aber er entwickelt sich. Dieser Umstand tut mir ganz besonders gut."

Vieles von dem, was Abi Ofarim so sagt, hört sich nach "weiser" Schule an, aber
deren Tugenden sind ja auch nicht umsonst auf dem Vormarsch. "Die Musiker von
damals kommen ja nun nicht alle nur deshalb wieder", sagt er, "weil sie Kohle
brauchen, sondern weil das Publikum sie braucht. Die sind alle der Micky-Mäuse
müde, die wollen wieder echte Musiker, richtige "handmade"-Music und keinen
Computerscheiß." Und wie alt die sind, das spielt für eine Musik, mit der inzwischen
drei Generationen aufgewachsen sind, ohnehin keinen Grund mehr. "Ich selbst",
grinst Ofarim, "bin auch gerade 17 geworden – hebräisch von rechts nach links
gelesen. Das ist doch genau das richtige Alter, erwachsene Menschen zu motivieren.
Ihren Wünschen Worte und Klänge zu verleihen und sie vom Glauben abzubringen,
nun bald Volksmusik hören zu müssen, um ihrem Alter gerecht zu werden." Das
dürfte in der Tat niemand mehr glauben, der 'Too Much Of Something' gehört hat.
"Es ist nicht leicht", sagt Abi Ofarim, "eine lebende Legende zu sein. Als eine tote
hat man es bestimmt leichter. Ich bin aber dennoch froh, zu leben."
Das wird bald wohl noch vielen Anderen so gehen ... ALIVE AGAIN!